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Der Klassiker der privaten Altersvorsorge, die Kapitallebensversicherung, im Sog der fallenden Börsenkurse.

Der Crash an den Börsen hat die Assekuranzen voll erwischt. Der Deutsche Aktienindex hat seit März letzten Jahres bereits deutlich mehr als 40 Prozent verloren und der DAX fällt weiter. Der Klassiker der privaten Altersvorsorge, die Kapitallebensversicherung, ist durch den stark gefallenen DAX neben allen anderen aktienbasierten Kapitalanlagen auch in der Krise. Zwar liegt Durchschnittlich der Aktienanteil nach Branchenangaben zur Zeit bei etwa 15 Prozent. Mehr als 80 Prozent ihrer Kapitalanlagen im Wert von insgesamt 540 Milliarden Euro haben Lebensversicherer in festverzinslichen Wertpapieren und Immobilien angelegt. Trotzdem fällt die Rendite der Versicherungsverträge, da in der Vergangenheit insbesondere die Aktienanlage der treibende Faktor hinter den hohen Renditen war. Die aktuelle Diskussion über die gesunkenen Erträge der deutschen Lebensversicherungen ist ein Musterbeispiel, wie verzerrt Probleme in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Zuerst schien die Sonne. Dann tauchten Wolken am Himmel auf, doch die Mahnungen, daß ein Unwetter aufzieht, wurden in den Wind geschlagen. Fakt ist, die Renditen der Policen sinken und eine kurzfristige Erholung ist aktuell nicht in Sicht. Die Versicherungsbranche bleibt damit unter Druck solange beim DAX keine Bodenbildung in Sicht ist.

Noch haben die Lebensversicherer haben Spekulationen über massive Wertberichtigungen auf Grund der Kursverluste an den Börsen zurückgewiesen, aber der Verband der Wirtschaftsprüfer lehnt eine weitere Schonfrist bei der Bewertung gesunkener Kapitalanlagen ab. Nach dem Aufschub aus dem vergangenen Jahr seien "Bewertungskonsequenzen für 2002 unausweichlich" und werden in den anstehenden Jahresabschluessen nun sichtbar.

Die Wirtschafsprüfer betonen, dass über die "Dauerhaftigkeit einer Wertminderung" für jede einzelne gehaltene Kapitalanlage gesondert zu entscheiden ist. Der Vorschlag des Instituts sieht unter anderem vor, dass die Versicherer ihre Kapitalanlagen dann Wertberichtigen müssen, wenn der Kurs in den sechs Monaten vor dem Bilanzstichtag permanent um mehr als 20 Prozent unter dem Buchwert liegt. Damit würde man sich an der US-amerikanischen Bilanzierungspraxis orientieren. Dümpeln die Kapitalanlagen über einen noch längeren Zeitraum unter ihrem Buchwert, sollen strengere Kriterien gelten. Das vorgeschlagene Bewertungsverfahren muss noch von den Aufsichtsbehörden gebilligt werden.

Der kritischen Bewertung schließen sich nun auch die ersten Assekuranzen an.."Aus heutiger Sicht können wir eine Senkung der Überschussbeteiligung 2003 nicht ausschließen", sagte der Finanzvorstand der Allianz Leben, Maximilian Zimmerer, der "Berliner Zeitung". Wegen der massiven Kursverluste an den Börsen müssen nun sieben Millionen Kunden der Allianz Lebensversicherung eine geringere Gewinnbeteiligung befürchten. "Die meisten Lebensversicherungen werden im kommenden Jahr eine Überschussbeteiligung von mehr als fünf Prozent ausschütten". Diese Erwartung äußerte der Vorstandsvorsitzende der Allianz, Henning Schulte-Noelle, gegenüber der "Bild am Sonntag". Zur Lage bei der Allianz Lebensversicherung sagte Schulte-Noelle: "Auch wir können angesichts sehr niedriger Zinsen und tiefer Aktienkurse nicht zaubern. Über eine mögliche Senkung der Gewinnbeteiligung entscheidet Allianz Leben im Spätherbst."

Was können Sie tun?
Sie sollten daher nicht in Panik verfallen sondern berücksichtigen, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse einem ständigen Wandel unterworfen sind und heutige Annahmen sich in der Zukunft ändern können. Da die kapitalbildende Lebensversicherung nicht nur ein Sparvorgang ist, sondern auch Versicherungsschutz bietet, ist ein Vergleich mit anderen Sparformen nicht ohne weiteres möglich. Bitte bedenken Sie, dass trotz gesunkener Gewinne es für sicherheitsorientierte Anleger kaum Alternativen gibt.

Der beste Rat ist, Ihre Police zu prüfen, indem Sie einfach Ihre Versicherung um folgende Daten bitten:

Rückkaufwert des Vertrages (inklusive Überschüsse und unter Angabe eventuell zu entrichtender Kapitalertragssteuer) zum nächsten möglichen Termin
Prognostizierte Auszahlung (inklusive bisheriger und zukünftiger Überschüsse
Prognostizierte Ablaufleistung (inklusive Überschüsse ohne weitere Dynamik) bei regulärem Vertragsablauf

Und dann entweder unser Rechenschema nutzen, die Zeitschrift Kapital Nr. 17 kaufen oder sich an den Bundesverband der Versicherungsberater wenden (Postfach 20150, 50514 Köln)

Ein erster Überblick.
Wichtig ist daher, dass Sie sich selbst einen Überblick verschaffen. Damit Sie sich aus verschiedenen Quellen informieren können, hier die Auswertung und Zusammenfassung der Veröffentlichungen. Bitte vergleichen Sie hierzu die Aussagen:

Die Analyse der Zeitschrift Kapital kommt zu dem Ergebnis, dass drei von vier Lebensversicherungen Ihren Kunden bei Vertragsabschluss eine zu hohe Rendite versprochen haben. So das Ergebnis einer Analyse einer Auswahl der seit mindestens 3 Jahren im Markt präsenten Unternehmen. Wo sie mit drastisch gekürzten Auszahlungen rechnen müssen, entnehmen Sie bitte den beigefügten Aufstellung (Zeitschrift Capital, Ausgabe nur 17 vom 8.9.2002; Link am Ende des Beitrags).

Die Zeitschrift Finanzen kommt in Ihrer Ausgabe 9 vom 1. September 2002 zu anderen Ergebnissen. Nahezu alle Lebensversicherungen geben mehr aus, als sie tatsächlich erwirtschaften. 19 Gesellschaften haben aktuell ein negatives Anlageergebnis und 9 Lebensversicherungen haben bereits die stillen Reserven vollkommen aufgezehrt.

Das Handelsblatt vom 7. Oktober 2002 zur Lage der Assekuranzen und insbesondere dem Marktführer Allianz. Im Vergleich zum Sommer ist die Wahrscheinlichkeit einer Senkung nach Worten eines Sprechers der Allianz inzwischen größer geworden. Derzeit liege die Überschussbeteiligung der Allianz Leben noch bei 3,55 %. Dazu kommt noch einmal die vorgeschriebene Garantieverzinsung von 3,25 % und damit bei 6,80 %.

Bei einigen Versicherern liegt die Überschussbeteiligung bereits unter 3 %. Bei der Allianz Leben haben nach Angaben des Sprechers sieben Millionen Kunden insgesamt neun Millionen Verträge abgeschlossen. Die Entscheidung über die Höhe der Überschussbeteiligung werde Ende des Jahres fallen. Schon im vergangenen Jahr hatten fast alle deutschen Lebensversicherer auf Grund der Börsenkrise und geschmolzener Reserven ihre Überschussbeteiligung für die Kunden gesenkt.
Auch für das laufende Jahr prüfen die Versicherer weitere Senkungen. Allianz Leben-Chef Gerhard Rupprecht hatte bereits Ende Juni angekündigt, eine erneute Senkung der Überschussbeteiligung zu prüfen, falls der Aktienmarkt um weitere 20 bis 30 % sinken sollte. Da der Deutsche Aktienindex DAX seitdem mehr als 30 % eingebüßt hat, rückt eine mögliche Senkung der Überschussbeteiligung näher.

Die kritische Bewertung der Alternativen.
Die erste Gruppe, die von den sinkenden Marktzinsen betroffen ist, bilden junge Menschen, die vor der Frage stehen, wie sie Risiken absichern und Vermögen aufbauen sollen. Hier ist die Einsicht hilfreich, dass Kapitallebensversicherungen Zwitter aus Risikoschutz und Geldanlage sind. Insbesondere in jungen Jahren ist evtl. die Trennung der Verträge besser. In jungen Jahren kommt es zunächst darauf an, Risiken wie Haftpflicht, Krankheit und Erwerbsunfähigkeit abzusichern. Hier sind einzelne Verträge die beste Lösung, um jedes Risiko optimal abzusichern. Bei der Geldanlage wird alles von der Frage abhängen, was die Anleger in den kommenden Jahren vorhaben. Wer Familie und Eigenheim setzt, sollte später Risikolebensversicherungen, Bausparverträge und Rentenfonds wählen. Wer lieber zur Miete wohnen und langfristig fürs Alter vorsorgen will, für den werden Rentenversicherungen und Aktienfonds die erste Wahl sein. Bei den Kapitalversicherungen sollten die Anleger realistisch bleiben und auf Dauer mit Renditen von höchstens 5 bis 6 Prozent rechnen, weil die Rentenmärkte im langfristigen Durchschnitt nicht mehr hergeben.

Die zweite Gruppen sind Personen im fortgeschrittenen Alter. Insbesondere die, die Auszahlung ihrer Lebensversicherung in fünf bis zehn Jahren erwarten haben schon seit Monaten große Angst, daß die Altersversorgung durch die Reform der gesetzlichen Rentenversicherung und die Talfahrt der Börsenkurse geschmälert wird. Die niedrigen Zinsen der Rentenmärkte werden die Ablaufleistungen wahrscheinlich schmälern, doch zu Panik besteht kein Anlaß, weil die Investoren in der Regel keine Alternative haben. Der entscheidende Punkt ist die "Verfallsrendite", die sich aus dem heutigen Rückkaufswert, den künftigen Prämien und den voraussichtlichen Ablaufleistungen berechnen lässt. Wenn der aktuelle Rückkaufswert zum Beispiel bei 100 000 Euro liegt, in Zukunft noch 120 monatliche Prämien von jeweils 200 Euro zu bezahlen sind und in zehn Jahren eine Ablaufleistung von 200 000 Euro erwartet wird, beträgt die Rendite der Police ungefähr 5,35 Prozent. Das sind unerfreuliche Nachrichten, weil vor Jahren mindestens 6 bis 7 Prozent in Aussicht gestellt worden sind. Doch angesichts der Tatsache, daß die 5,35 Prozent steuerfrei sind, werden die Anleger wohl keine Alternativen finden. Der Umstieg in einen Rentenfonds wird dem Anleger nur Nachteile bringen, weil die Zinsen für zehnjährige Anleihen bei etwa 5 Prozent liegen und in voller Höhe steuerpflichtig sind. Daher werden bei einem Steuersatz von 40 Prozent lediglich 3 Prozent übrigbleiben, so daß die Ablaufleistung dieser Lösung um 38 000 Euro niedriger als bei der Versicherung ausfallen würde. Noch heikler ist der Wechsel zu Immobilien oder zu Aktien. Es ist zwar denkbar, daß die Renditen in beiden Anlagen höher als 5,35 Prozent sind, doch dafür muß der Investor Risiken in Kauf nehmen.

Die Alternative der Kauf einer vermieteten Wohnung in ordentlicher Lage wird mindestens 200 000 Euro kosten. Die Zinsen des Kredites können während der kommenden Jahre festgeschrieben werden, doch die Höhe des Verkaufspreises in zehn Jahren steht in den Sternen.

Genauso unsicher ist die Entwicklung der Aktien. Es ist möglich, daß die künftigen Dividenden und Kursgewinne wieder zu Renditen führen, die weit über 5 Prozent liegen, aber die damit verbundenen Risiken zeigt die aktuelle Entwicklung. Vor diesem Hintergrund bleibt die Lebensversicherung vor allem für Menschen, die Wert auf Sicherheit legen, die beste Lösung.